Sonntag, 21. Januar 2018

Winterspass in Grindelwald

Am Stephanstag reisten wir mit dem Zug via Bern und Interlaken nach Grindelwald, wo wir nach einem kurzen Fussmarsch im Dorfzentrum unsere Unterkunft Lehmann's Herberge erreichten. Nach dem Einrichten im gemütlichen, rustikalen Zimmer betätigten wir uns sportlich und joggten eine Runde vorbei an der Gletscherschlucht und dem Bahnhof Grindelwald Grund zurück zum Bed & Breakfast. Später genossen wir ein feines Nachtessen im familiären Ambiente des Restaurant Bellevue-Pinte und beendeten den Tag mit einem Spaziergang durch das nächtliche Grindelwald. Den nächsten Tag starteten wir mit einem reichhaltigen Frühstück und fuhren danach mit dem Grindelwald Bus hinauf auf die Bussalp, wo wir uns zwei Davoser Schlitten mieteten. Da ein Blick nach oben nur grauen Nebel zeigte, verzichteten wir auf den Aufstieg zum Faulhorn und sausten stattdessen in mehr oder weniger rasanter Fahrt bei guten Bedingungen talwärts. Nach rund acht spassigen Kilometern und einem Zwischenhalt bei der Steitorbar erreichten wir die Bushaltestelle Gaggi Säge, wo wir den Schlitten wieder abgeben konnten. Eine kurze Busfahrt und einen Spaziergang später waren wir wieder zurück im Zentrum Grindelwalds. Gegen Abend begaben wir uns zum Schwimmen ins Sportzentrum, wo wir dank der Gästekarte freien Eintritt genossen. Für das Nachtessen entschieden wir uns für einen indischen Abend im Restaurant Golden India. Am folgenden Tag nahmen wir den Ortsbus bis zur Endstation Oberer Gletscher und kehrten dort für ein warmes Getränk und köstliche Apfelchüechli im Hotel Wetterhorn ein, bevor wir eine schöne Wanderung durch die herrlich verschneite Landschaft auf dem Mühlebach Trail zurück ins Dorf unternahmen. Nach einem Abstecher fürs Apéro ins Restaurant Gletscherschlucht, begaben wir uns später am Abend ins gut gefüllte Restaurant Memory zum Nachtessen. Bei schönem Wetter mit Sonnenschein schwebten wir am Freitagmorgen mit der Gondelbahn von Grindelwald Grund auf den Männlichen. Nachdem wir uns am herrlichen Panorama satt gesehen hatten, machten wir uns auf den Winterwanderweg Richtung Kleine Scheidegg. Immer im Angesicht der Eigernordwand wanderten wir auf dem toll präparierten Weg bei fantastischen Bedingungen in rund zwei Stunden unserem Zielort zu. Rechtzeitig mit dem Wetterumschwung erreichten wir die Talstation des Sessellift Arven und konnten uns dank dem gelösten Rundreisebillet das letzte Teilstück hochfahren lassen. Zur Stärkung kehrten wir anschliessend ins Restaurant des Grand Hotel Bellevue des Alpes ein und reisten später mit der Wengernalpbahn wieder zurück nach Grindelwald. Nach einer wohlverdienten Ruhezeit begaben wir uns zum Nachtessen ins touristisch ausgerichtete Restaurant Bebbis und liessen den Abend bei einem feinen Fondue ausklingen. Am Samstagmorgen mussten wir leider bereits wieder unsere Koffer packen und die Heimreise antreten. Doch bereits während der Fahrt waren wir uns einig, dass dies nicht unser letzter Besuch in Grindelwald war!

Altjahrswoche 2017 Grindelwald

Sonntag, 31. Dezember 2017

Über Hügel und durch Wald

Während den Herbstferien im Oktober nutzen wir einen Tag mit einigermassen guter Wettervorhersage für die Fortsetzung unserer Trans Swiss Trail-Wanderung, die uns zuletzt im Frühsommer bis nach Murten führte. Nach Ankunft am Bahnhof des Zähringerstädtchens spazierten wir zuerst gemütlich durch die schöne Altstadt und über die beeindruckende Ringmauer, bevor wir uns mit Unterstützung eines freundlichen Polizisten in die richtige Richtung auf die Wanderetappe machten. Anfänglich noch durch Siedlungsgebiet und später über Felder, sanfte Hügel und durch schönes Waldgebiet. Irgendwo zwischen Salvenach und Liebistorf, auf einem Umweg wegen Holzschlag, nutzten wir ein Bänkli für unseren Zmittagshalt. Nach weiteren beruhigenden Schritten durch angenehmen Wald und ein schönes Naturschutzgebiet erreichten wir bald einmal beim Auriedstäg die Saane, der wir nun entlang marschierten bis zum Zusammenfluss mit der Sense. An diesem Punkt hiess es für uns abbiegen Richtung Zentrum des Ortes Laupen, von wo wir per Zug die Heimreise antraten.

Wanderung: Murten - Laupen

Freitag, 22. Dezember 2017

Sommerferien in Skandinavien - Teil 3

Gemeinsam mit Sabine begab ich mich nach der Ankunft in Svendborg zum Danhostel, um das Zimmer zu beziehen, bevor wir den Tag mit einem leckeren Abendessen mit passender Bierbegleitung im Brauereirestaurant Far & Søn ausklingen liessen. Am Sonntagmorgen stärkten wir uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet und machten uns anschliessend zu Fuss auf den Weg. Die Etappe des Øhavsstien, dem Wanderweg des Inselmeeres, führte uns bei sehr abwechslungsreichem Wetter über die Svendborgsundsbroen, die Inseln Tåsinge und Siø bis nach Rudkøbing auf Langeland in eine Airbnb-Unterkunft. Am nächsten Morgen genossen wir das feine Frühstück, schlenderten noch ein wenig durchs Städtchen und fuhren mit dem Bus nach Svendborg zurück. Dort unternahmen wir einen kleinen Shopping-Bummel und gingen später an Bord der Fähre, die uns in einer angenehmen Fahrt nach Ærøskøbing auf der Insel Ærø brachte. Nach dem Ausschiffen mussten wir nur wenige Meter zurücklegen und erreichten bereits das Hotel Aroma, wo wir uns ein Zimmer reserviert hatten. Nach dem Zimmerbezug machten wir uns auf zum Vesterstrand mit seinen kleinen, farbigen Badehäusern, wo wir uns in Meer und Sonne badeten. Zum Nachtessen genossen wir ein herrliches Lachs-Soufflé im Aromas Fiskerestauranten und beendeten den Tag anschliessend mit einem gemütlichen Spaziergang durch die nächtlichen, hyggeligen Altstadtgassen. Am Dienstag fuhren wir mit dem kostenlosen Bus über halb Ærø bis zur nördlichen Endstation in Søby, wo wir einen kleinen, gemütlichen Marsch bis zum Leuchtturm am Ende der Insel und wieder zurück unternahmen. Nachdem wir mit dem Bus wieder an den Ausgangspunkt gelangten, bummelten wir am Nachmittag ein wenig durch den Ort und kamen so an verschiedenen kleinen Läden, der Brauerei, von der ich während unseres Aufenthaltes einige leckere Biere kosten konnte, und sogar einer Whisky-Distillerie vorbei. Zum Nachtessen gab es für uns in der Ærøskøbing Røgeri erneut ein Fischmahl und später zum Dessert die feinste Glacé der Insel vom Café Aroma. Am nächsten Morgen hiess es für uns wieder einmal zusammenpacken und dann mit der Fähre nach Svendborg zurückfahren. Hier trennten sich unsere Wege für kurze Zeit - Sabine fuhr mit der Vespa und ich per Zug nach Odense, wo wir ein Airbnb-Zimmer reserviert hatten. Nachdem wir beide gut angekommen waren, spazierten wir durch die angenehme und gemütliche Stadt und bestellten uns bei Sinnerup ein Sofa, das unterdessen in unserer Wohnung steht und uns immer an die Sommerferien erinnert ;-). Später tranken wir ein Bier bei der Brasserie Flakhaven und genossen das Nachtessen im Restaurant Eydes, bevor wir uns zur Nachtruhe in die Unterkunft begaben. Den nächsten Tag verbrachten wir zu Beginn auf separaten Pfaden - Strasse für Sabine, Schiene für mich - bis wir uns in København im Hotel Nora wieder trafen. Gerade als wir uns für eine kleine Entdeckungstour aufmachen wollten, setzte ein massiver, fast sintflutartiger Regen ein. Während die unzähligen Radfahrer in Dänemarks Hauptstadt in Hauseingängen und unter Vordächern Schutz suchten, begaben wir uns zum Apéro in Ravnsborg Kitchen & Bar. Als das Wetter wieder besser wurde nahmen wir einen neuen Anlauf und spazierten durch die Stadt bis zum Rundetaarn. Nach dem Aufstieg über die spiralförmige Rampe, welche Erzählungen zu Folge sogar Platz für Pferdekutschen und Autos bot, konnten wir uns einer beeindruckenden Aussicht über Kopenhagen erfreuen. Den Freitag starteten wir nach dem Frühstück mit einem Streifzug durch das Stadtzentrum zu den bunten Häusern in Nyhavn. Von dort machten wir einen Abstecher ins Café Klint beim Design Museum und weiter auf die Papierøen, wo wir im Copenhagen Contemporary eine spannende und beeindruckende Ausstellung von Anselm Kiefer erleben konnten. Nach einer kurzen Visite im Copenhagen Street Food begaben wir uns zum bekannten Vergnügungspark Tivoli, wo wir einer Vorstellung des Pantomimentheaters beiwohnten, im Restaurant Kiin Kiin Piin To assen, auf einer Attraktion mitfuhren und einfach durch die schönen Blumengärten schlenderten bis es Zeit fürs Schlafengehen war. Am folgenden Morgen musste ich leider meine Siebensachen erneut zusammenpacken und mich zum Flughafen Kastrup begeben, um mit einer SWISS-Maschine nach Zürich zurückzufliegen. Damit gingen drei abenteuerliche, interessante und erholsame Ferienwochen zu Ende und die Sehnsucht nach dem nächsten Ausflug in den Norden begann.
Scandinavian Summer - Part 3

Sonntag, 3. Dezember 2017

Sommerferien in Skandinavien - Teil 2

Nach der Nacht im Zelt konnte ich dank dem Einkauf im Supermarkt am Vortag ein luxuriöses Frühstück mit Brot, Käse und Orangensaft verspeisen. Frisch gestärkt packte ich alle meine Sachen wieder zusammen, verliess den Campingplatz und machte mich erneut auf in die Natur. Zuerst noch recht zivilisationsnah, teilweise auf Strassen und vorbei an Häusern, Seen und später immer mehr durch Wald und über felsigen Grund bis zur Windschutzhütte am Hönstorpasjön, wo ich den Tag mit einem Bad und dem Nachtessen abschloss. Am nächsten Morgen, unterdessen war Freitag, absolvierte ich vor dem Aufbruch zur nächsten Etappe noch ein kleines Gymnastikprogramm. Der Marsch führte mich wiederum durch Wald und über Fels, einmal sogar durch einen ehemals geschützten Urwald, der bei einem grossen Sturm im Jahre 1969 leider stark zerstört wurde. Am frühen Nachmittag erreichte ich bereits mein Tagesziel, die Hütte am Näsnaren, so dass ich den Rest des Tages bei tollem Wetter etwas relaxen konnte. Auch die nächsten Tage konnte ich bei idealen Wanderbedingungen durch die wunderbare Sörmland-Landschaft marschieren und jeden Abend eine neue Windschutzhütte an einem schönen See beziehen. Teilweise verbrachte ich die Nächte ganz alleine, manchmal hatte ich aber auch Gesellschaft - zum Beispiel von einer Familie, deren Grossvater aus Biel nach Schweden ausgewandert war, einem Langzeitreisenden, der seit zwei Jahren unterwegs ist oder einem Abenteurer, der für eine Nacht draussen etwa dreimal soviel Material dabei hatte wie ich für den ganzen Trip ;-) Tagsüber unterwegs bekam ich jeweils Abwechslung durch Attraktionen und spannende Orte wie dem Aussichtsturm auf dem Vensbrinksberget, der mit 123 m.ü.M. Sörmlands höchster Berg ist oder kilometerlangen Bretter-Stegen durch Sumpfgebiet, einem Waldabschnitt, wo 2013 ein Waldbrand wütete und immer wieder traumhaften Seen. Etwas anstrengend, aber nichtsdestotrotz auch ein Highlight war der Abstecher durch die Provinz Östergötland, welcher unter anderem am Fjärd Bråviken entlang über eine Felspassage mit intensivem Auf und Ab führte.
Rund zwei Wochen nach dem Start in Eskilstuna erreichte ich nach einer fantastischen Expedition durch die Wildnis Mittelschwedens die Stadt Nyköping, welche mir im vergangenen Jahr als Ausgangspunkt diente. Da ich nach ein paar Extra-Kilometern feststellen musste, dass der auf der Karte eingezeichnete Zeltplatz nicht existierte, buchte ich mir im Vandrarhem Railway direkt beim Bahnhof ein Zimmer für die letzte Nacht in Schweden. Am folgenden Tag, ein Samstag, machte ich mich auf eine lange Zugreise. Zuerst mit dem Regionalzug nach Norrköping, von dort weiter mit dem X2000-Hochgeschwindigkeitszug über die Øresundsbroen nach København und später erneut mit Regionalzügen über den Grossen Belt via Odense nach Svendborg, wo mich Sabine auf dem Bahnsteig erwartete.
Scandinavian Summer 2017 - Part 2

Sonntag, 26. November 2017

Sommerferien in Skandinavien - Teil 1

Schon sind ein paar Monate vergangen seit ich Mitte Juli meine diesjährigen Sommerferien antreten durfte. Nachdem ich alles in meinem Rucksack verstaut hatte fuhr ich per Zug an den Flughafen Zürich zum Vorabend-Check-in und dann weiter nach Bülach, wo ich freundlicherweise bei meiner Schwester und ihrem Partner übernachten durfte damit ich am nächsten Morgen den frühen Flug erreichen konnte. Ein Flug von SWISS nach Stockholm Arlanda und der praktische Flughafenbus brachten mich ins Zentrum der schwedischen Hauptstadt. Da ich im vergangenen Jahr leider keine Zeit mehr hatte, machte ich mich im Anschluss ans Deponieren des Gepäcks im Hotel auf, das Nobel Museum zu besuchen. Auf einer spannenden Führung mit witzigen Anekdoten konnte ich dort viel Interessantes aus dem Leben von Alfred Nobel und über die zahlreichen Träger der verschiedenen Nobelpreise erfahren. Mit dem Nachtessen bei Grill Ruby, einem Bier im O'Learys und dem Einkauf von Proviant für die kommenden Tage endete dieser erste Ferientag. Am Samstagmorgen, nach ausgiebigem Frühstück im Hotel, nahm ich die Tunnelbana zum Hauptbahnhof und reiste mit dem Zug nach Eskilstuna, wo ich sehr nett von meiner Airbnb-Gastgeberin begrüsst wurde. Weil die Unterkunft etwas ausserhalb lag, durfte ich sogar ein Fahrrad benutzen, um den Nachmittag in der Stadt zu verbringen. Neben etwas Shopping besuchte ich im Tunavallen-Stadion das Allsvenskan-Spiel zwischen dem lokalen AFC Eskilstuna und Kalmar FF, welches das Heimteam vor rund 2400 Zuschauern mit 2-1 gewinnen konnte. Am folgenden Tag genoss ich gemeinsam mit den Gastgebern auf der Terrasse ein tolles Frühstück und machte mich anschliessend auf, um den markierten Wanderweg Sörmlandsleden zu finden, was mir nach rund eineinhalb Kilometern auch gelang. Während ich noch bei Sonnenschein losmarschieren konnte, wurde leider im Verlaufe des Tages das Wetter immer schlechter, so dass ich die erste Windschutzhütte doch etwas durchnässt erreichte. Nach der ersten Nacht draussen bin ich bereits relativ früh aufgewacht, drehte mich aber nochmals um und schlief noch ein bisschen weiter. Etwas später, nach dem Frühstück mit getoastetem Brot vom Feuer, machte ich mich auf für die nächste Etappe. Bei gutem Wetter wanderte ich entlang von Seen, durch Kuhweiden, über Felder, durch Wald und auf felsigem Grund - also das volle Södermanland-Programm. Am späteren Nachmittag erreichte ich mein heutiges Tagesziel, eine Hütte wie sie früher von Köhlern zum Übernachten benutzt wurde. Da diese nicht an einem See lag, absolvierte ich noch ein kurzes Jogging zum nächsten See, um dort zu baden. Auch am nächsten Morgen bin ich recht früh aufgewacht und habe noch ein wenig weitergeschlafen. Später, nach dem Frühstück, ging es weiter auf dem Wanderweg. Zuerst vorbei am See Tryningen, den ich am Vortag bereits besucht hatte, dann über Fels und einsame Wälder - teilweise beinahe weglos, aber immer mit guter Markierung. Bei einem Haus durfte ich bei zwei älteren Herren meinen Wasservorrat auffüllen und kurz darauf bei einer Hütte im Wald mein Mittagessen einnehmen. Am Nachmittag konnte ich mich bei schönem und warmem Wetter weiter durch Wald, über Kuhweiden und entlang von Seen bewegen bis ich einen tollen Windschutz am See Myr Gryten erreichte. Am folgenden Tag führte mich der Pfad erneut entlang von Seen, durch Wälder und über felsigen Untergrund. Das Mittagessen bereitete ich mir in der schön gepflegten Windschutzhütte am Hagsjön zu. Einziger Wermuthstropfen war die ziemlich kahl abgeholzte Umgebung. Nach ein paar weiteren Kilometern, die teilweise entlang einer Strasse führten, erreichte ich die Stadt Katrineholm, wo ich mein Zelt auf dem Campingplatz aufstellte und den Abend bei einem Bier genoss.
Scandinavian Summer 2017 - Part 1

Freitag, 30. Juni 2017

Unterwegs mit dem Schiff und zu Fuss

Den arbeitsfreien Pfingstmontag nutzten wir für eine weitere Etappe auf der nationalen Wanderroute Nr. 2 Trans Swiss Trail. Da wir zu Beginn der diesjährigen Wandersaison im Februar Neuchâtel erreichten, war dies heute unser Startort. Nach der Anreise mit dem Zug fuhren wir per Bus runter an den See und gingen dort an Bord des MS La Beroche, um den See bis Cudrefin zu überqueren. Die ersten Kilometer zu Fuss führten uns am Seeufer entlang durch das Chablais de Cudrefin, das zum wunderschönen Naturschutzgebiet Grand Cariçaie gehört. Bei La Sauge machten wir einen kurzen Kaffeehalt im Restaurant und begannen wenig später nach einer Passage dem Broyekanal entlang den steilen Aufstieg vorbei an militärischen Befestigungsanlagen aus den beiden Weltkriegen auf den Mont Vully. Auf dem Picknickplatz unterhalb des Zangentores des keltischen Oppidums verspeisten wir unser Mittagessen. Anschliessend wanderten wir weiter über den Rücken des Vully und auf der anderen Seite durch die Reben wieder runter nach Sugiez, wo wir uns im Hôtel de l'Ours ein feines Glas Vully-Wein gönnten. Der Rest der Etappe führte uns bei idealen Wanderbedingungen entlang des Murtensees durch den grossartigen Chablaiswald bis an unseren heutigen Zielort Murten, von wo wir mit dem Zug wieder nach Hause fuhren.
Wanderung: Neuchâtel - Murten

Sonntag, 11. Juni 2017

Besuch in der Geisterstadt

Vor rund einem Monat stand ein aussergewöhnlicher Trip auf dem Programm. Gemeinsam mit einem Kollegen reiste ich zuerst mit dem Zug nach Genève Aéroport und von dort mit Ukraine International Airlines nach Kiev-Boryspil. Vom Flughafen fuhren wir per Bus bis zum Hauptbahnhof und unternahmen danach einen Spaziergang durch die Stadt bis zum Hotel Greguar, wo wir unsere Unterkunft reserviert hatten. Da die Zeit - auch aufgrund der Zeitverschiebung von einer Stunde - nun schon etwas vorgerückt war machten wir uns wieder auf, um ein Lokal fürs Nachtessen zu suchen. Unweit des Hotels wurden wir bereits fündig und konnten im Restaurant Rukkola ein leckeres Essen zu moderaten Preisen verspeisen. Im Anschluss liessen wir den Abend noch gemütlich mit einem Bier beim Public Viewing im Fan Village des Eurovision Song Contests ausklingen.

Der nächste Tag stand im Zeichen von Sightseeing in der ukrainischen Hauptstadt. Unser Stadtbummel führte uns über den Chreschtschatyk zum Majdan und weiter durch etwas bewaldetes Gebiet hinauf zum Denkmal der Völkerfreundschaft, von wo wir einen hervorragenden Ausblick über den Dnepr und Teile der Stadt geniessen konnten. Nächste Stationen waren der Marienpalast, der als offizielle Residenz des ukrainischen Präsidenten dient und direkt daneben das Gebäude des Parlaments. Nach dem Mittagessen besuchten wir das berühmte Kiewer Höhlenkloster, welches als eine der ältesten Stätten der russisch-orthodoxen Kirche gilt. Das Nachtessen verspeisten wir später im Bier-Club Naturlih.



Ukraine 2017: Kyiv
Am Samstag liessen wir uns per Uber zum Bahnhof fahren und suchten dort den Bus des Reiseveranstalters, bei dem wir unseren Tagesausflug gebucht hatten. Als wir diesen gefunden hatten, wurden unsere Pässe von der Reiseleitung mit der Liste von der Registrierung abgeglichen. Danach durften wir im Fahrzeug Platz nehmen. Nachdem sich alle Reiseteilnehmer eingefunden hatten, konnte die Fahrt Richtung Norden starten. Während der Fahrt erhielten wir von den kompetenten Guides viele interessante und beeindruckende Informationen über die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, die sich im Jahre 1986 ereignete. Vor der Einfahrt in die Sperrzone wurden unsere Pässe beim Checkpoint Dytiatky von einem Polizeibeamten nochmals kontrolliert. Erster Halt innerhalb der Zone war das ehemalige Dorf Zalissyia, wo wir einen Spaziergang unternahmen und einige verlassene Häuser betrachten konnten. Dabei wurden die Folgen der Katastrophe erstmals richtig sichtbar und es machte sich eine nachdenkliche Stimmung bemerkbar. Als nächstes durchquerten wir die Stadt Tschornobyl, die heute teilweise von den Mitarbeitern in der Zone wieder bewohnt ist und passierten den Checkpoint Leliv, um in die 10-km-Zone zu gelangen. Anschliessend folgte ein Abstecher zur geheimen Stadt Tschernobyl-2, welche vor 1986 von rund 2000 Personen bewohnt wurde und zum Zweck des Betriebs des Überhorizontradars DUGA-1 erbaut wurde. Das gigantische Stahlkonstrukt mit einer Höhe von 150 Metern und einer Länge von rund 700 Metern war sehr beeindruckend anzuschauen. Nächste Station war das "begrabene Dorf" Kopachi, wo beinahe alle Häuser nach der Katastrophe abgerissen und unter der Erde begraben wurden, mit seinem Kindergarten in einem der einzigen noch stehenden Häuser. Während wir uns immer mehr dem Block 4 näherten, wurde es langsam Zeit für das Mittagessen, das wir in einer Kantine aus sowjetischer Zeit einnehmen konnten. Frisch gestärkt besichtigten wir anschliessend die stillgelegten Baustellen für die Reaktorblöcke 5 und 6, sowie aus etwa 200m Distanz die neue Schutzhülle unter dem sich der havarierte Reaktorblock 4 befindet. Weiter führte uns unser Ausflug in die Geisterstadt Prypiat, aus der am 27. April 1986 rund 50'000 Menschen evakuiert wurden. Bei einem Rundgang durch die Stadt konnten wir die bekannten Orte wie den Vergnügungspark mit dem Riesenrad, das Theater oder das Fussballstadion besichtigen. In der Folge stiegen wir wieder in den Bus und mussten bei den Checkpoints jeweils einen Strahlendetektor passieren, um sicherzustellen dass keine kontaminierten Menschen oder Materialien die Zone verlassen. Auf der Rückfahrt nach Kiew wurden auch noch die Geigerzähler abgelesen. Der festgestellte Wert der Radioaktivität, der wir ausgesetzt waren betrug 0,003 mSv, was ungefähr der Dosis natürlicher Strahlung während einem Flug entspricht. Obwohl man die Radioaktivität nicht sieht oder spürt, wird man in der Zone stetig an die möglichen Folgen der Nuklearenergie erinnert. Dieser Ausflug half mir jedenfalls bei der Entscheidungsfindung für die Abstimmung über die Energiestrategie.


Ukraine 2017: Chernobyl Exclusion Zone
Am folgenden Tag mussten wir dann bereits wieder zusammenpacken, liessen uns in Rekordzeit von einem Uberfahrer an den Flughafen chauffieren und flogen planmässig zurück nach Genf.